Ein Balkonkraftwerk ist, als eine Art Mini-Photovoltaik-Anlage, für viele der Einstieg in die eigene Stromerzeugung. Die Anschaffungskosten sind vergleichsweise günstig, es ist schnell montiert und bietet sofort eine spürbare Entlastung beim Strombezug. Der durch das Balkonkraftwerk erzeugt Strom kann jedoch nur unmittelbar verwendet werden. Fällt beispielsweise tagsüber sehr viel Solarstrom an, kann er nicht etwa abends verwendet werden. Ebenso, wenn mehr Strom erzeugt als verbraucht wird. In diesem Fällen könnte ein Speicher sinnvoll sein, der die Energie so lange einlagert, bis sie benötigt wird.
Bislang ist es so, dass überschüssiger Strom direkt (ohne Vergütung) ins öffentliche Netz fließt. Das heißt: Wird der Strom aus der Mini-PV-Anlage nicht verwendet, ist er weg. Ein Speicher ergänzt das Balkonkraftwerk in der Regel um einen Akku inklusive Batteriemanagement und Lade- bzw. Entladeelektronik – es gibt noch weitere Möglichkeiten, einen Speicher zu integrieren, sie sind aber meist aufwändiger und produzieren je nach Art bis zu 10 Prozent Energieverlust. Das Grundprinzip des Speichers bleibt jedoch gleich: Er nimmt Solarüberschüsse auf und stellt sie später wieder zur Verfügung. Ziel ist, den Eigenverbrauchsanteil zu erhöhen und den Netzbezug zu senken.
Es gibt einige Vorteile, die sich aus einem Speicher für das Balkonkraftwerk ergeben:
Ausgleich zwischen hoher Produktion und geringer Nutzung tagsüber: Wenn häufig nur abends jemand zu Hause ist, der produzierte Strom jedoch vor allem in den Sonnenstunden, also tagsüber generiert wird, lohnt sich ein einfaches Balkonkraftwerk mitunter nur für Geräte, die permanent am Netz hängen, wie zum Beispiel Kühlschränke. Mit einem Speicher lässt der produzierte Solarstrom auch abends nutzen.
Teilweise bessere Nutzung kleiner Anlagen: Mini-PV ist häufig leistungslimitiert. Deshalb zählt jeder zusätzlich selbst genutzte kWh-Anteil, beispielsweise in Form von gespeicherter Energie.
Monitoring & Transparenz: Speicherlösungen bringen häufig Apps mit, die Erzeugung, Verbrauch und Einsparung verdeutlichen und jederzeit abrufbar machen. Allerdings bieten auch moderne Balkonkraftwerke heutzutage häufig Apps für denselben Zweck.
Gleichzeitig sind Speicher nicht in jeder Situation sinnvoll, denn es gibt auch Grenzen in der Nutzung:
Zusätzliche Kosten: In der Regel sind Speicher nicht in Balkonkraftwerken enthalten und müssen separat gekauft werden. Gleichzeitig sind sie häufig recht preisintensiv und die Amortisationszeit entsprechend hoch. Ob sich ein Speicher also wirklich finanziell rechnet, sollte individuell ergründet werden.
Umwandlungsverluste: Solarenergie, die sofort genutzt wird, wenn sie entsteht, ist von deutlich geringeren Verlusten betroffen als Energie, die erst gespeichert werden muss. Das Be- und Entladen des Akkus führt zu sogenannten Umwandlungsverlusten, wodurch deutlich weniger beim Nutzer ankommt als bei direktem Verbrauch.
Begrenzte Überschüsse: Gerade bei kleinen Balkonanlagen sind die Überschüsse oft kleiner als gedacht. Insbesondere im Winter sowie nach Norden, Osten oder Westen ausgerichtete Anlagen.
Alterung des Akkus: Auch, wenn Speicher in der Regel viele Jahre halten, nimmt die Kapazität über die Jahre ab. Bei der Anschaffung sollte auf Temperaturmanagement, Langlebigkeit und Garantiebedingungen geachtet werden.
Komplexität: Je mehr Komponenten einem Balkonkraftwerk hinzugefügt werden, desto mehr Konfiguration ist nötig und desto mehr potenzielle Fehlerquellen können auftreten. So muss unter anderem auf Leistungsbegrenzungen, Kompatibilität und regelmäßige Updates geachtet werden.
Ob sich ein Speicher am Balkonkraftwerk tatsächlich lohnt, hängt vor allem davon ab, wie viele zusätzliche Kilowattstunden zusätzlich zum direkten Stromverbrauch genutzt werden. Vereinfacht gesagt: Jede gespeicherte und später verbrauchte Kilowattstunde spart Geld, weil nicht der Netzstrom verwendet wird. Dennoch dauert es etwas, bis sich die Anschaffung eines Balkonkraftwerks inklusive Speicher amortisiert.
Grundsätzlich gilt: Je teurer der Netzstrom ist, desto wertvoller ist jede zusätzlich selbst genutzte Kilowattstunde – trotz zusätzlicher Kosten durch Anschaffung der Mini-PV-Anlage. Trotzdem ist es wichtig, nicht einfach irgendeinen Speicher zu kaufen. Achten Sie auf:
Lastprofil: Wenn der Verbrauch tagsüber sehr viel geringer ist als abends, beispielsweise weil niemand zu Hause ist, lohnt sich ein Speicher wahrscheinlich. Wer beispielsweise jedoch viel zu Hause arbeitet oder sich dort aufhält, auch tagsüber, kann den eingespeisten Strom direkt nutzen und so auf einen Speicher verzichten.
Anlagengröße & Ausrichtung: Vor der Einrichtung eines Speichers sollte die richtige Größe des Balkonkraftwerks passend zum Verbrauchsprofil bestimmt werden. Auch die Ausrichtung spielt eine große Rolle. So kann eine Mini-PV-Anlage, die nach Süden zeigt, beispielsweise deutlich mehr Strom generieren als eine, die nach Norden ausgerichtet ist. Das bedeutet gleichzeitig: Je nach Himmelsrichtung entsteht mehr oder weniger Überschuss. Beziehen Sie diese Überlegungen unbedingt mit ein, wenn Sie über die Integration eines Speichers nachdenken.
Speichergröße: Ist der Akku oder Speicher zu groß dimensioniert, bleiben viele Kapazitäten ungenutzt und die Einbußen durch Umwandlungsverlust sind deutlich höher. Ist der Speicher hingegen zu klein, gehen Überschüsse trotzdem ins Netz. Die Größe sollte immer zum Verbrauchsprofil passen und nicht zu groß, aber auch nicht zu klein sein. Lassen Sie sich hierzu am besten von Fachbetrieben beraten.
Wirkungsgrad & Leistungsbegrenzungen: Lade- und Entladeleistung des Speichers sowie Systemverluste beeinflussen, wie viel Strom tatsächlich in der Wohnung oder dem Haus ankommen.
Lebensdauer, Garantie und Zyklen: Bringen Sie in Erfahrung, wie vielen Ladezyklen der Speicher mindestens standhält und überlegen Sie anhand dessen, ob Ihnen das über die nächsten Jahre ausreicht. Informieren Sie sich außerdem zur generellen Lebensdauer und zu den Garantiebedingungen.
Kompatibilität: Der Speicher muss unbedingt zum Balkonkraftwerk kompatibel sein, damit er ordnungsgemäß funktioniert.
Sicherheit: Achten Sie auf Zertifizierungen, Schutzfunktionen, ein stabiles Gehäuse und darauf, wo Sie den Speicher aufstellen. Hier sind Faktoren wie Feuchtigkeit und Temperatur entscheidend für einen möglichst langen Lebenszyklus und die Sicherheit Ihres Speichers.
Lade- und Entladeleistung: Diese Angaben entscheiden darüber, ob der Akku in kurzen Sonnenfenstern sinnvoll geladen wird und beispielsweise abends genug Leistung bereitstellt. Die Werte sollten zum Verbrauchsprofil des Haushalts passen.
Messkonzept: Viele Systeme bringen bereits von Haus aus einen Zwischenstecker oder einen zusätzlichen Zähler mit, um die Stromerzeugung nachzuvollziehen und Überschüsse zu erkennen. Wenn Ihr System nicht über eine solche Funktion verfügt, integrieren Sie einen zusätzlichen Zähler oder Smart Meter für mehr Transparenz zu Ihrem Stromverbrauch.
Bedienung & App: Nur eine Randnotiz, aber trotzdem hilfreich: Nur, wenn Apps und die Bedienung des Speichers verständlich sind und Sie sich zuverlässig über Erzeugung, Verbrauch und Speicherstand informieren können, lohnt sich die Technik. Denn nur so können Sie Ihr Verbrauchsverhalten anpassen und vom Balkonkraftwerk inklusive Speicher profitieren.
Notieren Sie eine Woche lang, wann Ihr Stromverbrauch am höchsten ausfällt und prüfen Sie die typische PV-Erzeugungskurve Ihrer Balkon-Ausrichtung. Mit diesem Mini-„Lastprofil“ können Sie Speichergröße und Nutzen deutlich realistischer abschätzen.
Wer vor allem während der Sonnenstunden häufig und lange unterwegs ist oder hauptsächlich abends einen deutlich erhöhten Strombedarf hat (beispielsweise durch Kochen, Wäsche waschen, Fernseher/Konsolen und Weiterem), kann von einem Speicher profitieren. Ebenso diejenigen, deren Balkonkraftwerk sehr gut ausgerichtet ist, also zum Beispiel nach Süden zeigen oder nur selten von Schatten überdeckt werden. Der Speicher sollte passend dimensioniert (nicht zu groß und nicht zu klein) sein und effizient arbeiten.
Für die reine Rendite lohnen sich Speicher für Balkonkraftwerke in der Regel nicht – sie offenbaren ihren Mehrwert vor allem darin, autark Strom zu erzeugen und bieten als Bonus häufig ein besseres Monitoring als normale Stromzähler, sofern keine Smart Meter genutzt werden. Wenn der Verbrauch vor allem tagsüber sehr hoch ist, beispielsweise durch Home Office oder dauerhaften Stromverbrauch durch verschiedene Geräte, fällt in der Regel nicht so viel Überschuss an, wodurch sich ein Speicher eher nicht lohnt. Auch, wenn die Mini-PV-Anlage oft im Schatten liegt oder der produzierte Strom insgesamt niedrig ausfällt, bringt ein Speicher häufig nicht das gewünschte Ergebnis.
Damit sich ein Speicher auch finanziell rechnet, ist nicht etwa die Akkugröße entscheidend, sondern die tatsächlich selbst genutzte Energiemenge pro Jahr – und damit Ihr Verbrauchsprofil, die Ausrichtung des Balkonkraftwerks sowie dessen Effizienz und der Preis des Speichers. „Schnell sparen“ lässt sich in der Regel eher nur mit einer Mini-PV-Anlage ohne Speicher, weil hier die zusätzlichen Kosten wegfallen. Wer hingegen den Eigenverbrauch und Autarkie maximieren möchte, findet im Speicher eine sinnvolle Ergänzung, sofern er passend dimensioniert ist.