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Umstieg auf Wärmepumpe: Eine Checkliste

19.03.2026 Lesezeit:
Ein großer Schritt, um Heizen umweltfreundlicher zu gestalten, ist die Wärmepumpe. Sie kommt – sofern sie ohne separaten Heizkessel betrieben wird – in der Regel ohne fossile Brennstoffe aus und nutzt erneuerbare Energien für die Wärmeerzeugung. Bevor Sie jedoch auf eine Wärmepumpe umsteigen, sollten Sie sich genau informieren, denn Faktoren, wie der Gebäudezustand, Stromanschlüsse, Förderbedingungen, die Art der Wärmepumpe und ihre Abrechnung können Ihre Entscheidung beeinflussen. Um jederzeit den Überblick zu behalten, was zu tun ist, angefangen bei einer ersten Bestandsaufnahme bis hin zur Optimierung des Betriebs Ihrer Wärmepumpe, hilft unsere Checkliste.

1. Ziele klären (Komfort, Kosten, Klima) 

Bevor die konkrete Planung beginnen kann, sollten die folgenden Fragen geklärt werden: 

  • Ist das Ziel, Energiekosten zu senken, fossile Energien zu ersetzen oder beides? 
  • Gibt es spezielle Anforderungen an Warmwasser oder Wärmeerzeugung? 
  • Sollen perspektivisch auch andere Systeme eingebunden werden, wie beispielsweise Photovoltaik oder eine Lademöglichkeit für E-Autos? 

 

2. Gebäudedaten sammeln 

Im nächsten Schritt geht es darum, das Gebäude, das mit einer Wärmepumpe ausgestattet werden soll, genauer unter die Lupe zu nehmen. Sammeln Sie deshalb alle Informationen 

  • zu Wohnfläche, Baujahr der Immobilie, Sanierungsstand, Allgemeinzustand (Dach, Fassade, Fenster, …) 

  • zum Jahresenergieverbrauch der vergangenen zwei bis drei Jahre, inklusive Warmwasseranteil 

  • zum aktuellem Heizsystem: Gibt es Radiatoren oder Fußbodenheizungen? Wie sind die Vorlauftemperaturen, welche Hydraulik kommt zum Einsatz? 

3. Heizlast bestimmen lassen 

Ermitteln Sie die Heizlast nicht nur „Pi mal Daumen“, sondern gehen Sie ins Detail. 

  • Eine Heizlastberechnung nach Norm ist die Basis für die richtige Gerätegröße. Suchen Sie sich deshalb einen Fachbetrieb, der Ihnen dabei hilft. 

  • Ist die Wärmepumpe zu groß dimensioniert bedeutet das: höhere Kosten, häufigeres Takten und damit schlechtere Effizienz 

  • Ist die Wärmepumpe zu niedrig dimensioniert, kann sie die nötige Leistung nicht erbringen und es wird nicht warm genug im Gebäude bzw. in den Wohnungen 

 

4. Heizflächen und Vorlauftemperatur prüfen 

Das Ziel sollte eine möglichst niedrige Vorlauftemperatur sein (meist zwischen 35°C und 55°C, je nach Gebäude) 

  • Prüfen Sie, ob einzelne Heizkörper zu klein sind und getauscht oder ergänzt werden sollten. 

  • Prüfen Sie außerdem, ob möglicherweise defekte Heizkörper oder Flächenheizungen vorliegen – vor dem Einbau der Wärmepumpe ist ein guter Zeitpunkt, sie zu tauschen. 

  • Bauen Sie, wenn möglich und nötig, bei Bedarf Flächenheizungen oder Niedertemperatur-Heizkörper ein. 

 

5. Wärmepumpen-Art auswählen 

Es gibt unterschiedliche Arten von Wärmepumpen, die sich unter anderem darin unterscheiden, welche Energiequelle sie nutzen: 

  • Luft/Wasser: dieser Typ ist meist einfach in der Nachrüstung, weil kein Tiefbau nötig ist. Deshalb ist diese Wärmepumpen-Art vergleichsweise günstig. 

  • Sole/Wasser (Erdwärme): arbeitet sehr effizient, ist aber mit tiefen Bohrungen und damit mit höheren Investitionen verbunden 

  • Wasser/Wasser: arbeitet ebenfalls sehr effizient, erfordert aber zusätzliche Genehmigungen und kann nicht an jedem Standort eingesetzt werden. 

6. Schallschutz und Aufstellort planen 

Haben Sie sich für eine Wärmepumpe entschieden, planen Sie genau, wo Sie sie aufstellen: 

  • Außengeräte sollten so platziert werden, dass Nachbarn und Fensterbereiche vor Lärm geschützt sind. Insbesondere bei dichter Bebauung sollten Sie sich frühzeitig um Schallberechnungen und Schallschutz kümmern. 

  • Halten Sie unbedingt notwendige Abstände ein, planen Sie die Leitungsführung und den Kondensatablauf. Unternehmen Sie diese Schritte immer mit einem Fachbetrieb. 

 

7. Warmwasserkonzept festlegen 

Die Wärmepumpe erzeugt nicht nur Wärme für die Heizung, sondern auch für die Warmwasseraufbereitung. Daher ist es wichtig, auch ein Konzept dafür mitzudenken. 

  • Überlegen Sie genau, wie groß der Warmwasserspeicher sein soll und wie hoch der Bedarf im Gebäude ist. 

  • Legen Sie bereits im Vorfeld ein Legionellenkonzept fest. Die Prüfung auf Legionellen im Trinkwasser ist ohnehin für bestimmte Gebäude verpflichtend. Wir unterstützen Sie gerne dabei. Nehmen Sie Kontakt zu uns auf, wenn Sie weitere Informationen wünschen. 

  • Prüfen und optimieren Sie die Zirkulationsleitung, um Verluste zu vermeiden. 

 

8. Elektrik und Netzanschluss prüfen 

Eine Wärmepumpe benötigt Strom, damit sie ordnungsgemäß funktioniert. Prüfen Sie deshalb: 

  • ob es ausreichende Anschlussleistungen im Haus, Platz im Zählerschrank und Schutztechnik gibt. 

  • Informieren Sie sich über ein Tarif- und Messkonzept. So erfahren Sie auch, ob Sie einen Stromzähler für Ihre Wärmepumpe brauchen. Wenden Sie sich gerne direkt an uns. 

  • Denken Sie idealerweise bereits Schnittstellen für Photovoltaik sowie Wärmespeicher und dynamische Tarife mit. 

9. Förderung und Finanzierung prüfen 

Erst, wenn Sie eine konkretere Vorstellung davon haben, wie und welche Wärmepumpe in Ihrem Gebäude eingebaut werden soll, ist es sinnvoll, sich mit Förderungen und Finanzierungsmöglichkeiten zu beschäftigen. Denn viele Maßnahmen fordern bereits bei Antragstellung einige Informationen ein. 

  • Informieren Sie sich über aktuelle Förderprogramme, Voraussetzungen und Fristen 

  • Holen Sie die entsprechenden Nachweise ein (zum Beispiel Effizienzanforderungen, Fachunternehmererklärung) 

  • Berücksichtigen Sie Zusatzkosten für den Tausch von Heizkörpern, Elektroarbeiten, Wärmespeicher usw. 

 

10. Angebote einholen und vergleichen 

  • Holen Sie sich mindestens zwei bis drei Angebote ein, die gleiche oder sehr ähnliche Leistungsbeschreibungen haben, um sie vergleichen zu können. 

  • Verlangen Sie Angaben zur Auslegung (Heizlast), Jahresarbeitszahl, Schall bzw. Lärm, speziellen Regelungen und zur Garantie. 

  • Klären Sie außerdem, ob ein hydraulischer Abgleich und die Einregulierung enthalten sind. 

 

11. Installation vorbereiten 

Auch für die Installation sind einige Vorkehrungen zu treffen: 

  • Halten Sie Lieferzeiten im Blick 

  • Beachten Sie, dass Sie ihre alte Anlage zurückbauen und mögliche Umbauten realisieren müssen 

  • Für Sole/Wasser-Wärmepumpen müssen Sie im Vorfeld Genehmigungen für die Bohrungen einholen, eine Bohrfirma beauftragen und entsprechende Bodengutachten berücksichtigen. Planen Sie dafür Zeit ein. 

 

12. Inbetriebnahme und Optimierung 

Die Wärmepumpe ist installiert und kann nun endlich in Betrieb genommen werden. Achten Sie darauf 

  • die Heizkurve sauber einzustellen. Sie ist meist der größte Effizienzhebel. Ein Fachbetrieb unterstützt Sie hierbei gerne 

  • die Einweisung zu dokumentieren. Schreiben Sie alle Angaben zu Filter, Wartung, Störungsmeldungen, Reglern, Apps usw. auf 

  • Nach zwei bis vier Wochen sollten Sie die Temperaturen, Laufzeiten und Stromverbrauch prüfen und, sofern nötig, nachjustieren. 

Häufige Fehler, die sich vermeiden lassen 

Es kommt oft vor, dass Eigentümer zu große Wärmepumpen wählen und damit Effizienzeinbußen haben. Damit das nicht passiert, sollte dem Kauf einer Wärmepumpe immer eine saubere Heizlastberechnung vorausgehen. Wenden Sie sich dafür an einen Fachbetrieb, der Sie gerne dabei unterstützt. 

Darüber hinaus werden häufig zu hohe Vorlauftemperaturen eingestellt. Dadurch steigt der Stromverbrauch und die Effizienz sinkt. Eine Wärmepumpe kann, anders als die meisten anderen Heizsysteme, mit vergleichsweise niedrigen Vorlauftemperaturen Wärme erzeugen. Wenn Sie nicht sicher sind, prüfen Sie die Einstellungen in regelmäßigen Abständen (beispielsweise alle zwei bis vier Wochen) und nehmen Sie Optimierungen vor.  

Planen Sie den Schallschutz frühzeitig. Insbesondere der Lärm von Luft/Wasser-Wärmepumpen wird häufig unterschätzt. Halten Sie Abstände ein und prüfen Sie Schutzmaßnahmen in dicht bebauten Siedlungen besonders gründlich. 

Beachten Sie die Fristen und Prozesse für Förderungen. In der Regel muss der Antrag noch vor der Beauftragung erfolgen. Fördermaßnahmen können ihnen einen erheblichen Anteil der finanziellen Last abnehmen. 

Fazit: Wärmepumpen-Umstieg leicht gemacht 

Mit einer guten Vorbereitung wird die Wärmepumpe zur zuverlässigen und zukunftsfähigen Heizung – auch ohne Komplettsanierung. Gehen Sie die oben genannten Punkte in Ruhe, aber konsequent durch, nehmen Sie sich Zeit für die Planung und achten Sie darauf, Berechnungen korrekt vorzunehmen. Lassen Sie sich im Idealfall von einem Fachbetrieb helfen und beraten. So vermeiden Sie häufige Probleme und holen das Maximum an Effizienz aus Ihrer Wärmepumpe heraus. 

Tipp: Kopieren Sie sich die Checkliste in Ihre Notizen und haken Sie die Punkte beim Gespräch mit einem Fachbetrieb ab. Notieren Sie sich außerdem die Angebote, damit Kosten, Pläne und Umsetzung transparent und übersichtlich bleiben. 

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Autor

Ariane Wilke

Senior Digital Editor

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