Interview: „Die meisten Heizungen erzeugen mehr Wärme, als das Gebäude braucht“
Kannst du uns kurz erklären, was ista HeatPilot ist?
Gern. ista HeatPilot ist ein Service, der bestehende zentrale Heizungsanlagen effizienter betreibt. Die Anlage muss dafür nicht ersetzt werden. Wir setzen auf die vorhandene Technik auf und steuern sie datenbasiert. HeatPilot berücksichtigt dabei den Wärmebedarf, die Außentemperatur, die Wettervorhersage und den laufenden Betrieb der Anlage.
Wir optimieren nicht nur die Heizkurve, sondern die gesamte Anlage: von der Wärmeerzeugung bis zur Verteilung im Gebäude.
Dazu gehören Monitoring, also die laufende Überwachung der Anlage, und Fernparametrierung. Das heißt: Wir können Einstellungen aus der Ferne anpassen. Kunden sehen ihre Anlage in einem Dashboard und werden bei Störungen informiert.
Warum lässt sich damit so viel einsparen?
Weil viele Anlagen gar nicht auf den tatsächlichen Bedarf eingestellt sind. Laut einer Studie der Allianz für einen klimaneutralen Wohngebäudebestand, die das Bundeswirtschaftsministerium gefördert hat, sind rund 80 Prozent der Heizungsanlagen in Deutschland nicht optimal eingestellt. In den meisten Gebäuden ist die Heizung nicht auf die Anlage und das Gebäude abgestimmt. Sie läuft mit Standardwerten und einem großzügigen Sicherheitspuffer. Die Folge: Sie erzeugt mehr Wärme, als das Gebäude tatsächlich braucht. HeatPilot passt die Wärmeerzeugung rund um die Uhr an den tatsächlichen Bedarf an. Die überschüssige Wärme fällt weg – ohne Komfortverlust und ohne neue Heizung.
Was gehört zum Service?
Wir bieten einen Komplettservice von A bis Z. Er beginnt schon vor Vertragsabschluss mit einer kostenlosen Analyse des Einsparpotenzials. Danach folgen Ortsbegehung, Hardware, Installation und Inbetriebnahme. Auch der laufende Betrieb ist enthalten. Die Installation erfolgt dabei so, dass die Bewohner keine Unterbrechung in der Heizleistung erleben.
Es gibt eine feste jährliche Servicegebühr und keine versteckten Kosten. Eine Vorabinvestition ist nicht nötig. Diese Servicegebühr ist nach unserer Einschätzung umlagefähig. Sie lässt sich also auf die Mieter umlegen. Das KEDi-Gutachten der Deutschen Energie-Agentur (dena) bestätigt dies ebenfalls.
ista HeatPilot auf einen Blick
Was es ist: ein Service, der bestehende zentrale Heizungsanlagen datenbasiert steuert und effizienter betreibt.
Für wen: Wohn- und Gewerbeimmobilien im Bestand mit Gas, Öl oder Fernwärme. Die Brennstoffkosten für die Heizung sollten ab rund 15.000 Euro pro Objekt und Jahr liegen.
Was enthalten ist: Ortsbegehung, Hardware, Installation, Inbetriebnahme und laufender Betrieb – mit Monitoring, Dashboard und Störmeldungen.
Was es kostet: eine feste Jahresgebühr, keine Vorabinvestition.
Welche gesetzlichen Vorgaben spielen in Deutschland dabei eine Rolle?
Seit dem 29. Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz, kurz GModG. Es löst das Gebäudeenergiegesetz ab. Für uns ist vor allem wichtig: Das GModG verschärft die Anforderungen an Monitoring und Betriebsoptimierung. Das gilt besonders für Nichtwohngebäude im Bestand, also zum Beispiel für Büro- oder Gewerbegebäude. Größere Nichtwohngebäude brauchen Monitoringtechnik, die Energieverbräuche erfasst und Effizienzverluste erkennt. Außerdem müssen Heizungsanlagen in Gebäuden ab sechs Wohn- oder Nutzungseinheiten nach einer festgelegten Betriebsdauer geprüft und optimiert werden. Nutzungseinheiten sind zum Beispiel Wohnungen oder Gewerbeflächen. HeatPilot liefert Betriebsdaten, Monitoring und eine laufende Optimierung der Anlage. Damit unterstützen wir Eigentümer bei diesen Anforderungen. Welche Pflichten konkret für ein Gebäude gelten, sollten Eigentümer im Einzelfall prüfen.
Bei welchen Immobilien kann man HeatPilot einsetzen?
Bei Wohn- und Gewerbeimmobilien im Bestand mit zentraler Heizungssteuerung. Das kann ein einzelnes Gebäude sein oder ein ganzer Immobilienbestand. Die Anlage kann mit Gas, Öl oder Fernwärme laufen. Eine Untergrenze gibt es bei den Kosten: Die Brennstoffkosten für die Heizung sollten ab rund 15.000 Euro pro Objekt und Jahr liegen. Es muss keine ista Messtechnik installiert sein.
Wo läuft HeatPilot schon? Hast du ein Beispiel?
Über 300 Anlagen sind bei uns im Betrieb, in sechs europäischen Märkten. Jede Woche kommen neue dazu.
Ein Beispiel ist ein Gebäude in Gladbeck: Baujahr 1970, 2.520 Quadratmeter, Gasheizung mit zwei Heizkesseln. Vorher liefen beide Kessel ohne Leistungsanpassung dauerhaft auf hoher Temperatur. Heute starten sie gemeinsam. Danach übernimmt einer allein und passt die Temperatur an den Bedarf an. Die niedrigere Temperatur macht auch die Wärmeverteilung effizienter. Ergebnis: 24,5 Prozent Einsparung. Das sind 241.062 Kilowattstunden und 55,4 Tonnen CO₂ weniger pro Jahr.
Und wie sieht es bei einer neueren Anlage aus?
Auch da gibt es Potenzial. In Nürnberg haben wir ein Gebäude von 2021 optimiert: 1.930 Quadratmeter, Gasheizung. Die neue Anlage lief auf Werkseinstellung, mit vorsichtshalber hoher Vorlauftemperatur. Das ist die Temperatur des Heizungswassers, das ins Gebäude fließt. Außerdem war der Mischer, der die Temperatur im Heizkreis regelt, nicht optimal eingestellt.
HeatPilot passt die Vorlauftemperatur jetzt laufend an den Bedarf an. Auch den Mischer und die Warmwasserbereitung steuern wir effizienter. Das Ergebnis sind 26,1 Prozent Einsparung.
Wie kommen diese Einsparwerte zustande?
Wir betrachten mindestens eine Heizperiode und vergleichen mit dem witterungsbereinigten Verbrauch vor HeatPilot. So verfälschen ein kalter Winter die Zahl nicht. Wichtig ist: Die Einsparung hängt immer von der Anlage ab. Deshalb prüfen wir das Potenzial vorab.
Welche Herausforderungen gab es, und wie löst ihr sie?
Die erste ist: Jeder Heizraum ist anders. Es gibt unterschiedliche Hersteller, Baujahre und Komponenten. Deshalb nehmen wir jede Anlage individuell auf und passen HeatPilot entsprechen an sie an. Die zweite: den Heizbetrieb wirklich tief zu verstehen. Nur dann können wir optimieren, ohne dass Mieter und Nutzer an Komfort verlieren. Die dritte sind die vielen Beteiligten. An jeder Anlage arbeiten Hausmeister, Wartungspartner, Verwalter und Eigentümer. Alle möchten eingebunden sein. Das tun wir, der bestehende Wartungspartner bleibt dabei. Am stärksten sind wir bei großen, komplexen Anlagen, auch in Gewerbeimmobilien, zum Beispiel mit mehreren Heizkesseln wie in Gladbeck. Genau dafür ist unsere Lösung gemacht.
Was kommt als Nächstes?
Wir entwickeln HeatPilot Schritt für Schritt weiter, einiges ist schon umgesetzt. So erschließen wir auch kleinere Liegenschaften. Die Untergrenze haben wir zuletzt von 20.000 auf 15.000 Euro Brennstoffkosten für die Heizung pro Jahr gesenkt.
Außerdem arbeiten wir daran, alle Energieträger optimieren zu können. Zuletzt ist Fernwärme dazugekommen. Und wir rollen HeatPilot in alle europäischen Länder aus, in denen ista aktiv ist.
Auch neue Heizungen bieten noch Optimierungspotenzial
Viele Heizungsanlagen erzeugen mehr Wärme als nötig, auch neue. ista HeatPilot passt den Betrieb laufend an den tatsächlichen Bedarf an, ohne dass die Anlage ersetzt werden muss. Die Beispiele aus Gladbeck und Nürnberg zeigen, was möglich ist. Wie viel es bei einer anderen Anlage ist, hängt von der Anlage ab. Das prüfen wir vorab.
Wie viel Einsparpotenzial steckt in Ihrer Heizungsanlage?
Wir prüfen anhand weniger Angaben zu Ihrer Heizungsanlage und Ihren Brennstoffkosten, ob sich ista HeatPilot für Ihre Immobilie lohnt. Die Prüfung ist kostenlos. Erst danach erhalten Sie ein Angebot.