Clever lüften: So unterscheiden sich Neubauten und Altbauten.
Darum ist Lüften in Alt- und Neubauten wichtig
Beim Atmen, Kochen, Duschen und Wäschetrocknen entsteht Feuchtigkeit. Auch Zimmerpflanzen geben Wasser an die Raumluft ab. Wird diese Feuchtigkeit nicht regelmäßig nach draußen abgeführt, kann sie sich an kühlen Oberflächen niederschlagen. Das erhöht das Risiko für Schimmel. Gleichzeitig sammeln sich in Innenräumen CO₂, Gerüche und weitere Stoffe aus Möbeln, Reinigungsmitteln oder Baustoffen. Regelmäßiges Lüften sorgt dafür, dass verbrauchte Raumluft durch frische Außenluft ersetzt wird. Das gilt grundsätzlich unabhängig davon, ob ein Gebäude vor vielen Jahrzehnten oder erst vor wenigen Jahren gebaut wurde. Allerdings unterscheiden sich die baulichen Voraussetzungen, so dass Lüften je nach Gebäude beispielsweise länger oder kürzer sinnvoll ist. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf Alt- und Neubauten.
Lüften im Altbau: Auf die Bausubstanz kommt es an.
Altbauten haben ihren eigenen Charme. Hohe Decken, große Fenster und massive Wände gehören häufig zu ihrem Charakter. Aus Sicht des Raumklimas bringen ältere Gebäude allerdings einige Besonderheiten mit sich. Viele Altbauten sind weniger gut gedämmt als moderne Gebäude. Außenwände und Fenster können dadurch stärker auskühlen. Trifft warme, feuchte Raumluft auf solche kalten Oberflächen, kann sich Kondenswasser bilden. Besonders gefährdet sind Raumecken, Fensterbereiche und Stellen hinter großen Möbelstücken. Bleibt die Feuchtigkeit dort bestehen, kann Schimmel entstehen.
Ein weiterer Punkt: Bei älteren, nicht sanierten Gebäuden kann Luft durch undichte Fenster und andere Fugen nach außen gelangen. Dieser unkontrollierte Luftaustausch ersetzt allerdings kein gezieltes Lüften. Nach dem Austausch alter Fenster oder einer energetischen Sanierung kann sich die Situation verändern. Die Gebäudehülle wird dichter und es gelangt weniger Außenluft durch Fugen in die Wohnung.
Diese Lüftungstipps helfen im Altbau:
- Regelmäßig stoßlüften: Mehrmals täglich die Fenster für einige Minuten vollständig öffnen. So wird die feuchte Raumluft ausgetauscht, ohne dass Wände und Möbel stark auskühlen
- Feuchtigkeit direkt abführen: Nach dem Duschen und Kochen möglichst sofort lüften. Die Türen zu Bad und Küche bleiben dabei geschlossen, damit sich die Feuchtigkeit nicht in der Wohnung verteilt
- Möbel mit Abstand zu Außenwänden aufstellen: Ein kleiner Abstand verbessert die Luftzirkulation und hilft, feuchte Stellen hinter Schränken und Sofas zu vermeiden
- Luftfeuchtigkeit kontrollieren: Ein Hygrometer zeigt, wie feucht die Raumluft ist. Als Orientierung gilt eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 %
- Kühle Räume im Blick behalten: Weniger beheizte Räume sollten regelmäßig gelüftet und durch geschlossene Türen von wärmeren Räumen getrennt werden
Lüften im Neubau: Wenn die Gebäudehülle besonders dicht ist.
Moderne Neubauten sind in der Regel gut gedämmt und verfügen über eine luftdichte Gebäudehülle. Das hat einen entscheidenden Vorteil: Wärme bleibt besser im Gebäude und Energieverluste werden reduziert. Gleichzeitig findet weniger unkontrollierter Luftaustausch statt, weil Fugen und Fenster in der Regel dicht sind. Das bedeutet allerdings auch, dass sich Feuchtigkeit und verbrauchte Raumluft stärker in den Innenräumen anreichern können, wenn nicht ausreichend gelüftet wird. Wer in einem Neubau wohnt, sollte deshalb besonders auf einen regelmäßigen Luftaustausch achten.
Hinzu kommt eine Besonderheit, die vor allem in den ersten Jahren nach der Fertigstellung eine Rolle spielt: die Baufeuchte. Bei Bauarbeiten wie dem Verputzen oder dem Verlegen von Estrich gelangt Wasser in die Baustoffe. Diese Feuchtigkeit muss nach und nach austrocknen. Wie lange das dauert, hängt unter anderem von der Bauweise und den verwendeten Materialien ab. In dieser Zeit kann ein erhöhter Lüftungsbedarf bestehen.
Diese Lüftungstipps helfen im Neubau:
- Lüftungszeiten konsequent einhalten: Auch wenn die Wohnung neu und gut gedämmt ist, muss regelmäßig gelüftet werden. Besonders morgens, nach dem Duschen und nach dem Kochen lohnt sich ein Luftaustausch.
- Baufeuchte berücksichtigen: In den ersten Monaten und Jahren nach dem Einzug kann häufigeres Lüften notwendig sein. Ein Hygrometer hilft dabei, die Entwicklung der Luftfeuchtigkeit zu beobachten.
- Lüftungsanlage richtig nutzen: Ist eine zentrale oder dezentrale Lüftungsanlage vorhanden, sollte sie entsprechend den Herstellerangaben betrieben werden. Luftdurchlässe dürfen nicht verdeckt und Filter müssen regelmäßig gewechselt werden.
- Fenster nicht dauerhaft kippen: Auch im Neubau ist kurzes Stoßlüften meist sinnvoller als dauerhaft gekippte Fenster. So lässt sich die Raumluft austauschen, ohne unnötig viel Heizenergie zu verlieren.
In vielen Neubauten ist bereits eine Lüftungsanlage eingeplant. Sie sorgt für einen regelmäßigen Luftaustausch, ohne dass die Fenster ständig geöffnet werden müssen. Anlagen mit Wärmerückgewinnung können zudem einen Teil der Wärme aus der Abluft nutzen, um die einströmende Außenluft vorzuwärmen. Das spart Energie.
Wichtig ist: Eine Lüftungsanlage macht das Öffnen der Fenster nicht grundsätzlich überflüssig. Nach dem Kochen, Duschen oder bei intensiven Gerüchen kann zusätzliches Lüften sinnvoll sein. Entscheidend ist, welche Technik eingebaut wurde und wie sie eingestellt ist.
Altbau oder Neubau: Wo liegen die Unterschiede?
Beide Gebäudetypen haben ihre eigenen Herausforderungen. Während in älteren Gebäuden häufig kalte Außenwände und Wärmebrücken eine Rolle spielen, ist in modernen Gebäuden vor allem die luftdichte Bauweise entscheidend.
Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Unterschiede:
| Merkmal | Altbau | Neubau |
| Gebäudehülle | Häufig weniger dicht und schlechter gedämmt | Meist gut gedämmt und luftdicht |
| Luftaustausch | Teilweise unkontrolliert über Fugen | Muss gezielt über Fenster oder Lüftungstechnik erfolgen |
| Typisches Feuchterisisko | Kondenswasser an kalten Wänden und Wärmebrücken | Feuchtigkeitsansammlung bei unzureichendem Luftaustausch und Baufeuchte |
| Lüftungsbedarf | Abhängig vom Zustand und der Sanierung | Regelmäßiger Luftaustausch besonders wichtig |
| Besonderheit | Lüftungsverhalten nach Fenstertausch oder Sanierung anpassen | Vorhandene Lüftungsanlage richtig betreiben |
Wichtig ist: Nicht allein das Baujahr entscheidet über das richtige Lüftungsverhalten. Auch der energetische Zustand, die Fenster, die Dämmung und die vorhandene Lüftungstechnik spielen eine Rolle. Ein modernisierter Altbau kann beispielsweise eine ähnlich luftdichte Gebäudehülle haben wie ein Neubau. Bei Neubauten und umfangreichen energetischen Sanierungen sollte deshalb ein Lüftungskonzept klären, wie der notwendige Luftaustausch sichergestellt wird.
Mit dem Energieausweis energetischen Zustand herausfinden
Die Bausubstanz allein sagt noch nichts darüber aus, ob Ihr Gebäude einem hohen oder niedrigen Energieverlust ausgesetzt ist. Um einen genauen Überblick zu haben, wie energieeffizient Ihre Immobilie ist, braucht es einen Energieausweis. Er ist 10 Jahre lang gültig und unter bestimmten Umständen für Vermieter Pflicht.
Clever lüften: Diese Tipps gelten für jedes Gebäude
Unabhängig vom Alter des Gebäudes gibt es einige einfache Gewohnheiten, mit denen sich das Raumklima verbessern und Schimmel vorbeugen lässt.
- Lieber kurz und kräftig lüften als dauerhaft gekippt
Beim Stoßlüften werden die Fenster vollständig geöffnet. Noch effektiver ist Querlüften, bei dem gegenüberliegende Fenster gleichzeitig geöffnet werden. So kann die verbrauchte Raumluft schneller entweichen. Dauerhaft gekippte Fenster sollten vor allem während der Heizperiode vermieden werden, da sie unnötig viel Wärme entweichen lassen können. - Feuchtigkeit möglichst direkt nach draußen leiten
Nach dem Duschen, Baden oder Kochen ist die Luft besonders feucht. Deshalb sollten die Fenster möglichst zeitnah geöffnet werden. Geschlossene Türen verhindern, dass sich die Feuchtigkeit in anderen Räumen verteilt. - Mehrmals täglich für frische Luft sorgen
Morgens nach dem Aufstehen, nach dem Kochen und vor dem Schlafengehen sind gute Zeitpunkte zum Lüften. Wie häufig und wie lange gelüftet werden sollte, hängt unter anderem von der Jahreszeit, der Außentemperatur und der Nutzung der Räume ab. - Die Luftfeuchtigkeit im Blick behalten
Ein Hygrometer hilft dabei, die relative Luftfeuchtigkeit zu kontrollieren. Als allgemeine Orientierung empfiehlt das Umweltbundesamt einen Bereich zwischen 40 und 60 %. Gerade in älteren oder wenig gedämmten Gebäuden lohnt sich eine regelmäßige Kontrolle. - Heizen und Lüften zusammendenken
Auch die Raumtemperatur beeinflusst das Schimmelrisiko. Kalte Räume sollten nicht vollständig auskühlen. Wer einzelne Zimmer weniger beheizt, sollte die Türen zu wärmeren Räumen geschlossen halten. Beim Lüften empfiehlt es sich, die Heizkörper herunterzuregeln und erst nach dem Schließen der Fenster wieder auf die gewünschte Temperatur einzustellen. So entsteht kein unnötiger Energieverlust.
Fazit: Richtig lüften hängt vom individuellen Gebäude ab
Ob Altbau oder Neubau: Regelmäßiges Lüften ist wichtig, um Feuchtigkeit und verbrauchte Raumluft aus den Wohnräumen zu entfernen. Die passende Strategie hängt allerdings von den baulichen Gegebenheiten ab. In älteren Gebäuden sollten vor allem kalte Außenwände, Wärmebrücken und mögliche Veränderungen durch Sanierungen berücksichtigt werden. In Neubauten kommt es auf den gezielten Luftaustausch und den Umgang mit möglicher Baufeuchte an. Vorhandene Lüftungsanlagen sollten richtig eingestellt und regelmäßig gewartet werden. Wer das eigene Gebäude kennt, die Luftfeuchtigkeit im Blick behält und regelmäßig für frische Luft sorgt, schafft gute Voraussetzungen für ein angenehmes Raumklima und beugt Feuchtigkeitsschäden vor.