Die Zukunft des Vermietens: Nachhaltig vermieten – wie Eigentümer und Mieter gemeinsam Energie einsparen können
Das Wichtigste in Kürze
- Nur jede fünfte Mietwohnung erreicht einen hohen energetischen Standard – gewünscht wird er von vier von fünf Mieterhaushalten
- Während Öl und Gas den Gebäudebestand prägen, heizten 2025 bereits 78,2 Prozent der neuen Wohngebäude überwiegend erneuerbar.
- Das GModG erweitert die Wahlmöglichkeiten beim Heizungstausch, verschärft aber schrittweise die Vorgaben für neue Öl- und Gasheizungen.
- Verbrauchsinformationen, smarte Technik und verständliche Kommunikation helfen Mietern, aktiv Energie einzusparen.
- 59 Prozent der privaten Vermieter planen keine energetischen Maßnahmen – häufig wegen fehlender Dringlichkeit, geringer Nachfrage oder unsicherer Rahmenbedingungen.
Hoher Mieterwunsch trifft auf energetischen Nachholbedarf
Nachhaltige Mietwohngebäude zeichnen sich auf technischer Seite durch einen hohen energetischen Standard aus. Dazu zählen eine gute Wärmedämmung, moderne Fenster, eine effiziente Heizungsanlage und möglichst der Einsatz erneuerbarer Energien. Ergänzend gewinnt digitale Steuerungstechnik an Bedeutung. Aktuell verfügt dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zufolge jedoch lediglich ein Fünftel der Mietwohnungen über solch einen hohen energetischen Standard. Dabei wünschen sich vier von fünf Mieterhaushalten diesen ausdrücklich. Auch der bauliche Bestand bestätigt diese Diskrepanz: Laut Gebäudereport 2025 der Deutschen Energie-Agentur (dena) werden mehr als drei Viertel der Wohngebäude in Deutschland weiterhin mit Öl- oder Gasheizungen beheizt. Im Neubau zeigt sich dagegen ein deutlicher Wandel: Dort prägen erneuerbare Energien zunehmend die Wärmeversorgung. Sie waren laut Statistischem Bundesamt mit mehr als drei Viertel (78,2 Prozent) der 2025 fertiggestellten Wohngebäude die hauptsächliche Energiequelle zum Heizen.
Nachhaltige Mietgebäude werden immer wichtiger
Der Gebäudesektor spielt für die Energiewende eine zentrale Rolle. Nach Angaben des Verbands der Immobilienverwalter Deutschland (VDIV) entfallen knapp 30 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs in Deutschland auf Raumwärme und Warmwasser in Wohngebäuden. Dabei entstehen laut Verband der Immobilienverwalter Deutschland e. V. (VDIV) rund 16 Prozent der CO2-Emissionen durch das direkte Heizen und den Betrieb von Wohn- und Nichtwohngebäuden. Diese Zahlen verdeutlichen: Ohne den Gebäudebestand lässt sich die Energiewende nicht erreichen.
Daher gelten klare politische Rahmenbedingungen für den Gebäudesektor. Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) lässt grundsätzlich alle Heizungstypen zu, die auf der gesetzlich festgelegten Positivliste stehen, und erweitert damit die technologischen Wahlmöglichkeiten für Vermieter. Für neue Gas- und Ölheizungen gilt allerdings die sogenannte Bio-Treppe: Der vorgeschriebene Anteil grüner Brennstoffe steigt von mindestens 10 Prozent im Jahr 2029 über 15 Prozent ab 2030 und 30 Prozent ab 2035 auf 60 Prozent ab 2040.
Das Gebäudemodernisierungsgesetz
Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) ersetzt das Gebäudeenergiegesetz (GEG) als maßgeblichen Rechtsrahmen für die energetische Weiterentwicklung des deutschen Gebäudebestands. Es enthält Vorgaben für Neubauten, bestehende Immobilien und Heizsysteme und überführt zugleich Anforderungen der EU-Gebäuderichtlinie in deutsches Recht. Langfristiges Ziel ist eine klimaneutrale Wärmeversorgung, durch die Energiebedarf und Treibhausgasausstoß des Gebäudesektors schrittweise sinken sollen.
Was Mieter von nachhaltigen Wohngebäuden erwarten
Auch Mieter legen zunehmend Wert auf die Nachhaltigkeit ihres Wohngebäudes. Dem BundesBauBlatt zufolge achten rund 40 Prozent bei der Wohnungssuche darauf, dass die Immobilie besonders energiesparend ist. Nachhaltigkeit umfasst für sie jedoch mehr als eine gute Energieeffizienz: 46,5 Prozent wünschen sich eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, 44,1 Prozent schnelles Internet und rund ein Viertel eine Lademöglichkeit für Elektrofahrzeuge. Gleichzeitig erwarten viele Mieter mehr Transparenz beim Verbrauch. Mehr als die Hälfte möchte einen besseren Einblick in die Nebenkostenabrechnung, jeder Vierte würde seine Verbrauchsdaten für Strom, Heizung und Wasser gern in Echtzeit verfolgen. Nachhaltige Mietwohngebäude sollten daher Energieeffizienz, zukunftsfähige Infrastruktur und transparente Verbrauchsinformationen miteinander verbinden.
Wie Vermieter ihre Mieter beim Energiesparen unterstützen können
Auch die energieeffizienteste Gebäudetechnik kann ihr Einsparpotential nur ausschöpfen, wenn die Bewohner sie richtig nutzen. Lüftungsverhalten, Raumtemperatur und der Umgang mit smarter Steuerungstechnik beeinflussen den tatsächlichen Verbrauch erheblich. Verständlich aufbereitete Daten können Verbrauchsspitzen sichtbar machen und zum Energiesparen anregen. Entscheidend ist jedoch, dass Mieter die Technik verstehen und sinnvoll einsetzen. Werden automatische Programme dauerhaft übersteuert oder führt der höhere Komfort zu höheren Raumtemperaturen, können mögliche Einsparungen teilweise wieder verloren gehen.
Ein wichtiger Ansatzpunkt sind daher regelmäßige und verständliche Rückmeldungen zum Verbrauch. Bei Wohnungen mit fernablesbaren Messgeräten müssen Gebäudeeigentümer den Nutzern laut Heizkostenverordnung bereits seit dem 1. Januar 2022 monatlich eine unterjährige Verbrauchsinformation (UVI) für Heizung und Warmwasser bereitstellen. Sie enthält den Verbrauch des vergangenen Monats in Kilowattstunden sowie Vergleiche mit dem Vormonat, dem entsprechenden Vorjahresmonat – sofern die Daten vorliegen – und einem Durchschnittsnutzer derselben Kategorie. Nicht fernablesbare Verbrauchserfassungsgeräte müssen grundsätzlich bis Ende 2026 nachgerüstet oder ausgetauscht werden. Dadurch wird die monatliche UVI ab 2027 in nahezu allen von der Heizkostenverordnung erfassten Gebäuden mit entsprechender Messtechnik zum Standard. Für bestimmte Fälle gelten Ausnahmen.
Monatliche Verbrauchsinformationen einfach bereitstellen
Unsere Lösung EcoTrend übermittelt Mietern ihre Verbrauchsinformationen für Heizung und Warmwasser automatisch per App oder E-Mail. Vermieter reduzieren damit ihren Verwaltungsaufwand und erfüllen die Anforderungen der Heizkostenverordnung komfortabel.
Darüber hinaus können digitale Thermostate, Sensoren und automatische Steuerungen den Energieeinsatz an den tatsächlichen Bedarf anpassen. Damit diese Technik im Alltag wirksam bleibt, sollten Vermieter ihre Funktionsweise verständlich erklären und die Einstellungen regelmäßig überprüfen. Hinweise zu richtigem Heizen und Lüften sowie der Kontakt zu unabhängigen Energieberatungsstellen können die Bewohner zusätzlich dabei unterstützen, ihren Verbrauch gezielt zu senken.
Energie sparen im Mietverhältnis: Checkliste für Vermieter
- Monatliche, verständliche Verbrauchsinformationen bereitstellen – mit Vergleich zum Vormonat, zum Vorjahresmonat und zu ähnlichen Haushalten statt nur einer jährlichen Abrechnung.
- Digitale Verbrauchsmessung und -visualisierung anbieten – Verbrauchsspitzen sichtbar machen und so zu bewussterem Heiz- und Wasserverhalten anregen.
- Programmierbare, smarte Thermostate in den Wohnungen einbauen – Heizenergie wird dadurch nur bei tatsächlichem Bedarf genutzt.
- Intelligente Haustechnik ermöglichen – etwa Lampen mit Bewegungs- oder Tageslichtsensor, die unnötigen Verbrauch vermeiden.
- Kontakte zu unabhängigen Energieberatungsstellen vermitteln – als fester Bestandteil der Verbrauchsinformation.
- Klare Informationen zu Heizungsanlage und Energieträger bei Mietbeginn geben – schafft Grundlagen für einen bewussten Umgang von Anfang an.
Vermieter zögern trotz wachsendem Interesse der Mieter
Trotz vielfältiger Vorteile trifft nachhaltiges Vermieten auf einen strukturellen Interessenkonflikt: Die Investitionskosten für eine effizientere Gebäudetechnik trägt in der Regel der Eigentümer; niedrigere Heiz- und Energiekosten kommen dagegen zunächst unmittelbar den Mietern zugute. Eine Lösung für diesen Konflikt könnte die sogenannte Modernisierungsumlage sein. Das deutsche Mietrecht sieht damit eine Möglichkeit vor, einen Teil energetischer Investitionskosten über die Miete zu refinanzieren.
Dennoch bleiben die Maßnahmen hinter ihrem Potential zurück, wie beispielsweise der Deutschland Immobilien Vermieterreport 2026 zeigt. Danach planen inzwischen 59 Prozent der privaten Vermieter keine energetischen Maßnahmen. Als häufigste Gründe gegen eine Sanierung nannten die Befragten fehlende Dringlichkeit und eine geringe Nachfrage seitens der Mieter. Auch die Unsicherheit über Anforderungen und Förderbedingungen bremst Vermieter aus. Wer hingegen bereits investiert hat, nannte am häufigsten langfristige Energieeinsparungen und eine höhere Mieterzufriedenheit als Motivation.
Auf Seiten der Mieterschaft dürfte die Nachfrage nach klimabewusstem Wohnen mittelfristig eher zunehmen: Das Interesse daran ist bei jüngeren und mittleren Altersgruppen sowie bei höherem Haushaltseinkommen bereits heute überdurchschnittlich ausgeprägt. Bis zur vollständigen Umsetzung der monatlichen Verbrauchsinformationspflicht im Jahr 2027 dürfte Verbrauchstransparenz zudem für immer mehr Mietverhältnisse zum Alltag werden.
Fazit: Nachhaltiges Vermieten braucht Technik und Transparenz
Nachhaltiges Vermieten entsteht im Zusammenspiel mehrerer Bausteine. Gebäudetechnik und erneuerbare Energien bilden die Grundlage, verständliche Verbrauchsinformationen schaffen Transparenz, und wirtschaftliche Anreize helfen, unterschiedliche Interessen von Eigentümern und Mietern auszugleichen. Ohne das Verhalten der Bewohner bleibt jedoch selbst die beste Technik unvollständig genutzt. Für Vermieter bedeutet das: Transparente Verbrauchsinformationen und eine offene Kommunikation mit Mietern fest in die tägliche Bewirtschaftung von Wohngebäuden integrieren. So wird nachhaltiges Vermieten vom technischen Anspruch zum gemeinsamen Erfolgsmodell für Eigentümer und Bewohner.