Alte Leitungen, belastetes Wasser: Blei im Trinkwasser erkennen
Das Wichtigste in Kürze
- Metalle gelangen vor allem über die Hausinstallation ins Trinkwasser. Kritisch sind alte Rohre, Armaturen und Verbindungsstücke.
- Häuser, die vor 1973 gebaut wurden, können noch Bleileitungen enthalten. Häuser, die nach 1973 errichtet wurden, sind nicht betroffen.
- Seit Dezember 2013 gilt ein Grenzwert für Blei im Trinkwasser von 10 Mikrogramm pro Liter. Ab dem 12. Januar 2028 sinkt er auf 5 Mikrogramm pro Liter.
- Seit dem 12. Januar 2026 sind Bleileitungen und auch bleihaltige Teilstücke verboten. Sie müssen ausgetauscht oder stillgelegt werden.
- Für die Hausinstallation sind fast immer die Eigentümer verantwortlich. Eine Trinkwasseruntersuchung schafft Klarheit.
Warum Metalle ins Trinkwasser gelangen können
Die Trinkwasserverordnung, kurz TrinkwV, regelt die Qualität des Trinkwassers in Deutschland. Sie definiert Grenzwerte für bedenkliche Stoffe wie Blei, Nickel, Kupfer & Co. Außerdem legt sie fest, dass die Qualitätsanforderungen an der Entnahmestelle gelten, also direkt am Wasserhahn. Damit zählt laut TrinkwV alles, was zwischen Wasserzähler und Hahn passiert. Auf seinem Weg durchs Haus kommt das Wasser mit großen Oberflächen von Rohren und Armaturen in Kontakt. Dabei beeinflussen mehrere Faktoren, wie viel Metall ins Wasser übergeht: die verwendeten Werkstoffe, die Beschaffenheit des lokalen Wassers und die Kontaktzeit. Grundsätzlich gilt: Je länger Wasser in der Leitung steht, desto mehr Metall kann sich lösen.
Blei im Trinkwasser: Warum alte Rohrleitungen besonders kritisch sind
Blei war Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ein gängiges Material für Wasserleitungen und wurde teilweise bis Anfang der 1970er-Jahre verbaut. Seit 1973 kommt Blei bundesweit nicht mehr als Leitungsmaterial zum Einsatz. In Teilen Süddeutschlands sind Bleileitungen beispielsweise schon seit 1878 verboten. Das Problem ist damit aber nicht aus der Welt: Eine Umfrage des Umweltbundesamtes ergab für das Jahr 2021 bundesweit noch rund 15.000 Hausanschlussleitungen aus Blei.
Das Trinkwasser in älteren Häusern mit Bleileitungen kann neben mikrobiologischen Besonderheiten erhöhte Bleigehalte aufweisen. Blei ist ein (embryo-)toxisches Schwermetall. Die schleichende Belastung durch eine regelmäßige Aufnahme kleiner Bleimengen über das Trinkwasser kann sich gesundheitsschädlich auswirken. Bei Ungeborenen, Säuglingen und Kleinkindern kann sie Nierenfunktion, Nervensystem, Blutbildung und Intelligenzentwicklung beeinträchtigen. Auch Schwangere und junge Frauen sollten deshalb auf Trinkwasser, das mit Blei in Berührung gekommen ist, verzichten. Denn Blei wird im Körper, insbesondere in den Knochen, eingelagert und kann während der Schwangerschaft wieder ins Blut gelangen.
Weniger bekannt, aber ebenfalls relevant: Nickel und Kupfer im Trinkwasser.
Denn Blei ist nicht das einzige Metall, das aus der Installation ins Trinkwasser gelangen kann. Das Umweltbundesamt hat eine Empfehlung zur Beurteilung der Trinkwasserqualität veröffentlicht, die neben Blei auch Kupfer und Nickel als Parameter behandelt. Auch für diese Metalle gelten Grenzwerte, die am Wasserhahn einzuhalten sind.
Gesetzliche Vorgaben: Grenzwerte und Austauschpflicht
Der Grenzwert für Blei im Trinkwasser wurde über die Jahre immer weiter gesenkt. Ende der 1990er-Jahre lag er noch bei 40 Mikrogramm pro Liter. Seit dem 1. Dezember 2013 gelten 10 Mikrogramm pro Liter. Ab dem 12. Januar 2028 sinkt der Wert weiter auf 5 Mikrogramm pro Liter. Bereits der Grenzwert von 2013 ist laut Umweltbundesamt mit Bleirohren praktisch nicht einzuhalten. Die novellierte Trinkwasserverordnung zog daraus die Konsequenz: Bis zum 12. Januar 2026 mussten noch vorhandene Bleirohre und auch Teilstücke ausgetauscht oder stillgelegt werden. Seitdem sind Wasserleitungen aus Blei verboten – Nur in eng begrenzten Fällen kann das Gesundheitsamt eine Ausnahme zulassen. Erhält ein Gesundheitsamt Kenntnis von einer Bleileitung, muss es deren Austausch anordnen. Notfalls kann es diesen mit einem Zwangsgeld durchsetzen.
Wichtig für Vermieter: Seit dem 1. Dezember 2013 besteht eine Informationspflicht gegenüber Mietern, wenn Bleileitungen bekanntermaßen vorhanden sind. Für neue Bauteile gibt eine verbindliche Positivliste des Umweltbundesamtes vor, welche metallenen Werkstoffe für den Trinkwasserkontakt geeignet sind.
Woran man problematische Leitungen erkennen kann
Wasserleitungen liegen im Gebäude überwiegend unter Putz. Im Keller sowie vor und hinter dem Wasserzähler sind aber meist kurze Abschnitte sichtbar. Dort lohnt ein genauer Blick. Bestimmte Merkmale weisen dabei auf Bleirohre hin: Sie sind verhältnismäßig weich, klingen dumpf und haben eine silbergraue, matte Farbe. Zusätzlich helfen die Unterlagen aus der Bauzeit dabei, Bleirohre auszuschließen. Häuser, die nach 1973 errichtet wurden, sind nach Angaben des Umweltbundesamtes in der Regel nicht betroffen. Bei Unsicherheit empfiehlt sich die Begleitung durch einen Fachbetrieb des Sanitär- und Heizungshandwerks.
Bleirohre erkennen: auf diese Merkmale müssen Sie achten
- Bleileitungen sind weicher als Kupfer- oder Stahlleitungen. Sie lassen sich mit einem Messer, Schlüssel oder einer Münze leicht einritzen oder abschaben.
- Die Oberfläche erscheint silbergrau und matt.
- Beim Klopfen klingen Bleileitungen dumpf, nicht metallisch.
- Bleirohre sind biegsam und wurden oft in geschwungenen Bögen verlegt.
Trinkwasser testen lassen: Wann eine Untersuchung sinnvoll ist
Eine Sichtprüfung hat Grenzen, denn viele Leitungsabschnitte bleiben verborgen. Klarheit bringt eine Trinkwasseruntersuchung. Sie ist vor allem sinnvoll bei Gebäuden, die vor 1973 gebaut wurden, bei unklarer Leitungshistorie oder wenn Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder im Haushalt leben. Damit die Ergebnisse rechtlich belastbar sind, gelten klare Regeln: Das Wasser muss vor der Probenentnahme vier Stunden in der Leitung gestanden haben. Zudem müssen zugelassene Trinkwasseruntersuchungsstellen die Probe nehmen und analysieren. Erhöhte Bleiwerte lassen sich so eindeutig nachweisen und einer Ursache zuordnen.
Sicherheit auf den letzten Metern: Trinkwasser professionell analysieren lassen
Wir unterstützen Eigentümer, Vermieter und Hausverwaltungen mit professionellen Trinkwasseranalysen durch unser akkreditiertes ista-Partnerlabor. Von der fachgerechten Probenahme bis zum verständlichen Ergebnisbericht kommt alles aus einer Hand. Damit lassen sich Risiken früh erkennen, gesetzliche Pflichten zuverlässig erfüllen und Bewohner wirksam schützen.
Wer ist verantwortlich: Eigentümer, Vermieter oder Wasserversorger?
Wer für die Trinkwasserqualität verantwortlich ist, hängt vom Leitungsabschnitt ab. Für die Hausanschlussleitung, also die Zuleitung von der Straße bis zum Wasserzähler, ist das Wasserversorgungsunternehmen zuständig. Für die Hausinstallation dahinter sind hingegen die Haus- und Wohnungseigentümer verantwortlich. Auch Planer und Installateure tragen ihren Teil bei, indem sie Trinkwasser-Installationen nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik ausführen und ausschließlich für den Trinkwasserkontakt zertifizierte Produkte und Verfahren einsetzen. Gemeinsam kann so sichergestellt werden, dass die gesetzlichen Grenzwerte im Gebäude eingehalten werden.
Das örtliche Gesundheitsamt überwacht den Vollzug der Trinkwasserverordnung. Vermutete oder festgestellte Grenzwertüberschreitungen müssen dem Amt gemeldet werden. Auch Mieter können aktiv werden. Bei überschrittenem Grenzwert können sie das Gesundheitsamt einschalten. Auch eine Mietminderung kann dann unter Umständen möglich sein.
Was tun bei Verdacht auf Blei im Trinkwasser?
Bis der Verdacht auf Blei im Trinkwasser geklärt ist, helfen einfache Sofortmaßnahmen. Wasser, das mehrere Stunden in der Leitung stand, sollte nicht zum Trinken oder Kochen verwendet werden. Es empfiehlt sich, das Wasser so lange ablaufen zu lassen, bis es gleichmäßig kühl fließt. Das Ablaufwasser eignet sich zum Putzen oder Gießen. Eine vollständige Sicherheit bietet das Ablaufenlassen jedoch nicht. Für die Zubereitung von Säuglings- und Kleinkindernahrung sollte deshalb kein Wasser verwendet werden, das durch Bleirohre geflossen ist. Geeignet ist abgepacktes Wasser mit dem Hinweis auf Säuglingsnahrung. Für Schwangere und Kleinkinder ist Wasser aus Bleirohren als Trinkwasser generell ungeeignet.
Die dauerhafte Lösung ist der vollständige Austausch der Bleileitungen. Vollständig ist dabei wörtlich zu nehmen: Auch kleine Teilstücke können durch galvanische Korrosion, also elektrochemische Reaktionen zwischen verschiedenen Metallen, unverhältnismäßig viel Blei abgeben. Die Sanierung gehört in die Hände eines Fachbetriebs, der im Installateurverzeichnis des Wasserversorgers eingetragen ist.
Fazit: Die letzten Meter entscheiden über die Wasserqualität
Die Hausinstallation ist und bleibt in puncto Trinkwasserqualität ein möglicher Schwachpunkt. Für Eigentümer, Vermieter und Hausverwaltungen heißt das: Leitungsbestand prüfen, bei Unsicherheit eine Trinkwasseranalyse beauftragen und alte Leitungen vollständig durch einen Fachbetrieb austauschen lassen. So bleibt das Wasser aus dem Hahn so sicher, wie es das Wasserwerk liefert.