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Immobiliensicherheit Lesezeit:

Stagnationswasser: Warum stehendes Wasser zum Problem werden kann

23.07.2026 Lesezeit:
Trinkwasser gehört zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln in Deutschland. Seine Qualität ist bis zum Hausanschluss sichergestellt. Innerhalb eines Gebäudes hängt sie jedoch auch davon ab, wie die Trinkwasserinstallation genutzt wird. Bleibt Wasser über längere Zeit in den Leitungen stehen, entsteht Stagnationswasser. Dadurch können sich die Eigenschaften des Wassers verändern – mit möglichen Folgen für die Trinkwasserqualität.

Das Wichtigste in Kürze

  • Stagnationswasser entsteht, wenn Trinkwasser über mehrere Stunden oder länger unbewegt in Leitungen steht. 
  • Längere Standzeiten können das Wachstum von Mikroorganismen fördern und dazu führen, dass Stoffe aus Leitungen oder Armaturen ins Wasser übergehen. 
  • Besonders häufig tritt Stagnationswasser in selten genutzten Bereichen wie Gäste-WCs, leerstehenden Wohnungen oder Ferienwohnungen auf. 
  • Regelmäßiger Wasseraustausch hilft, die Trinkwasserqualität in der Installation zu erhalten. 
  • Unter bestimmten Voraussetzungen ist für vermietete Mehrfamilienhäuser eine regelmäßige Trinkwasseruntersuchung auf Legionellen gesetzlich vorgeschrieben. 
     

Was ist Stagnationswasser?

Von Stagnationswasser sprechen Fachleute, wenn Trinkwasser längere Zeit unbewegt im Leitungssystem steht. Als Anhaltspunkt nennt das Umweltbundesamt eine Standzeit von etwa vier Stunden. Mit zunehmender Standzeit steigt die Zahl der Mikroorganismen im Wasser. Zugleich lösen sich Partikel aus dem umgebenden Rohr. 

Für Eigentümer und Verwalter ist das vor allem deshalb relevant, weil die Qualität des Trinkwassers nicht nur vom Wasserversorger abhängt. Im Gebäude ist der Hauseigentümer oder der Betreiber für die Trinkwasser-Installation und die Trinkwasserqualität verantwortlich. Dazu gehört, neben anderen Themen, längere Stagnationszeiten möglichst zu vermeiden. 

Warum Stagnationswasser problematisch werden kann

Frisches Trinkwasser enthält nur geringe Mengen natürlicher Mikroorganismen. In einer regelmäßig genutzten Trinkwasserinstallation, in der Wasser genügend bewegt wird, stellt das in der Regel kein Problem dar. Steht Wasser jedoch längere Zeit in den Leitungen, entstehen günstigere Bedingungen für das Wachstum von Mikroorganismen. Gleichzeitig können sich sogenannte Biofilme, dünne Schleimschichten an der Innenseite von Wasserleitungen, in der Mikroorganismen leben, bilden oder weiterentwickeln. Außerdem können Stoffe aus den verwendeten Materialien der Installation in das Wasser übergehen. 


Besonders kritisch: Mikroorganismen aus stagnierenden Bereichen können über das Leitungssystem in andere Teile der Installation gelangen und unter Umständen auch regelmäßig genutzte Leitungsabschnitte beeinflussen.
 

Bakterien im Trinkwasser

Trinkwasser ist nie vollständig keimfrei. Es enthält auch in einwandfreier Qualität geringe Mengen an Mikroorganismen. Meist sind das harmlose Wasserbewohner. Problematisch wird es, wenn schädliche Keime gute Bedingungen finden und sie sich vermehren. Schlecht isolierte Leitungen, eine abgesenkte Warmwassertemperatur und geringer Durchfluss fördern dann auch die Bildung von Biofilmen, in denen sich Mikroorganismen wie Amöben oder Legionellen ansiedeln und eine Lebensgemeinschaft bilden können.

Zu diesen Mikroorganismen zählen auch Legionellen. Sie sind in geringer Zahl unbedenklich. Steigt ihre Konzentration jedoch, können sie über zerstäubtes Wasser, z.B. beim Duschen, in die Lunge gelangen und Krankheitssymptome wie Fieber bis hin zur Lungenentzündung verursachen. Laut Umweltbundesamt verläuft die schwere Form, die Legionärskrankheit, in etwa 10 bis 15 Prozent der Fälle tödlich. Es empfiehlt für Warmwasser mindestens 55 Grad und für Kaltwasser möglichst unter 20 Grad Temperatur, um die Bildung der Keime einzudämmen.

Metalle im Trinkwasser

Auch das Leitungsmaterial spielt eine Rolle bei der Trinkwasserqualität. Rohre, Armaturen und Dichtungen geben geringe Mengen an Stoffen ab. Nach längerer Standzeit liegen die Konzentrationen meist im Bereich von Nano- oder Mikrogramm pro Liter. Je nach Installation geht es etwa um Kupfer oder Blei. In wenigen älteren Gebäuden sind noch bleihaltige Rohre verbaut, die seit Anfang des Jahres entfernt oder stillgelegt sein müssen. Meist handelt es sich um Gebäude mit einem Baujahr vor 1973. Bei Verstößen droht ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro. Der Durchlauf von warmem Wasser verschärft den schädlichen Effekt der Rohre, weil sich Stoffe dann leichter lösen können. Warmwasser aus dem Hahn sollte in solchen Gebäuden daher nicht zum Trinken oder Kochen verwendet werden. Nach längeren Standzeiten empfiehlt es sich zudem, das Wasser zunächst ablaufen zu lassen, bis es deutlich kühler aus der Leitung kommt. 
 

Wo Stagnationswasser besonders häufig entsteht

Stagnationswasser entsteht überall dort, wo Wasser nicht regelmäßig abgenommen wird. Typisch sind leerstehende Wohnungen, selten genutzte Wasserhähne und Gäste-WCs, aber auch Kelleranschlüsse und Außenzapfstellen. Auch Umbauten und längere Urlaubszeiten können dazu führen, dass Wasser über Tage oder Wochen in der Installation verbleibt. Hinzu kommen überdimensionierte Leitungen, Totleitungen und lange Wege zwischen Installation und Inbetriebnahme. Totleitungen sind abgetrennte Abschnitte, in denen Wasser dauerhaft steht. Besonders betroffen sind Gebäude mit wechselnder Auslastung, etwa Wohnanlagen, Hotels oder Schulen. In Ferien oder bei längerer Abwesenheit fließt dort oft wochenlang kein Wasser. 
 

Was Eigentümer und Verwalter tun können

Die wirksamste Maßnahme ist zugleich einfach: Trinkwasser sollte regelmäßig fließen. Nach kürzeren Standzeiten sollte das Wasser so lange laufen, bis es spürbar kühler wird. Auch technische Maßnahmen wie Unterputz-Ringleitungssysteme und automatische Waschtischarmaturen sorgen für einen regelmäßigen Wasseraustausch im Leitungssystem. Ab drei Tagen Nichtnutzung sollten alle Entnahmestellen geöffnet werden, um das Wasser vollständig auszutauschen. Empfohlen wird eine Spüldauer von vier Minuten. Dadurch wird das länger in der Hausinstallation stehende Wasser ausgetauscht. Bei mehr als vier Wochen Abwesenheit ist es sinnvoll, betroffene Leitungen vorher abzusperren und bei der Rückkehr zu spülen. Dauerhaft ungenutzte Abschnitte lassen sich über das Absperrventil vom übrigen Netz trennen. So gelangen Keime aus dem Stagnationsbereich nicht ins gesamte Leitungsnetz. 

In Mehrfamilienhäusern sind Eigentümer und Verwalter zudem auf die Mitwirkung der Bewohner angewiesen. Deshalb sollte die regelmäßige Nutzung seltener genutzter Entnahmestellen – etwa im Gäste-WC – sowie das Spülen nach längerer Abwesenheit aktiv kommuniziert werden. Eine verständliche Information der Mieter trägt dazu bei, Stagnationswasser auch innerhalb der Wohnungen zu vermeiden. An der Trinkwasserinstallation hingegen dürfen nur eingetragene Fachbetriebe arbeiten. Das gilt für Prüfung, Spülung und Sanierung gleichermaßen.
 

Legionellenprüfung nach Trinkwasserverordnung

Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) regelt die Qualität des Trinkwassers in Deutschland. Für vermietete Mehrfamilienhäuser mit zentraler Warmwasserbereitung und einem Speicher über 400 Litern oder mehr als 3 Liter Wasser in der Rohrleitung, zwischen Trinkwassererwärmung und der am weitesten entfernten Entnahmestelle schreibt sie eine Legionellenprüfung alle drei Jahre vor. Wird der technische Maßnahmenwert von 100 koloniebildenden Einheiten (KBE) je 100 Milliliter erreicht, besteht Handlungsbedarf. Vermieter sind verpflichtet, unverzüglich weitere Schritte zum Schutz der Nutzer der Trinkwasserinstallation und zur Reduktion der schädlichen Bakterien einzuleiten. Zudem müssen das Gesundheitsamt und betroffene Mieter unverzüglich informiert werden.

Legionellenprüfung: Risiken frühzeitig erkennen

Eine fachgerecht durchgeführte Trinkwasseruntersuchung schafft Klarheit über die Qualität der Trinkwasserinstallation und unterstützt Eigentümer sowie Verwalter bei der Erfüllung ihrer Pflichten. ista begleitet den gesamten Prozess – von der Probenahme über die Analyse bis zur Unterstützung bei den vorgeschriebenen Informationspflichten.

Fazit: Trinkwasser braucht Bewegung

Steht Trinkwasser zu lange, verändern sich Keimzahl und Stoffgehalt spürbar. Die gute Nachricht: Regelmäßige Nutzung, feste Spülroutinen und die Trennung ungenutzter Leitungen wirken zuverlässig. Für Eigentümer und Verwaltungen zahlt sich ein wachsames Auge auf Leerstände und selten genutzte Zapfstellen aus. Wo eine Legionellenprüfung vorgeschrieben ist, schafft eine fachgerechte Trinkwasseruntersuchung Sicherheit. Bewegung im Leitungsnetz bleibt der einfachste Schutz für sauberes Trinkwasser.